(2026) Mozart, R. Strauss, Reger, Stravinsky
Kategorie(n): Kammermusik Concerto Moderne Orchester Klavier Raritäten Repertoire
Instrument(e): Klarinette Klavier
Hauptkomponist: Diverse Komponisten (siehe Sammlungen)
Orchester: Musikkollegium Winterthur
Dirigent: Roberto González-Monjas
CD-Set: 2
Katalog Nr.:
CD 3415/46
Freigabe: 06.11.2026
EAN/UPC: 7619931314525
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Aus dem Archiv des Musikkollegium Winterthur
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte der Winterthurer Mäzen Werner Reinhart das Musikkollegium und die Stadt Winterthur zu einem Zentrum der musikalischen Moderne. Sein Nachlass bildet einen wichtigen Teil des umfangreichen Archivs. Zahlreiche Partituren tragen persönliche Widmungen und sind historische Zeugnisse eines einzigartigen künstlerischen Netzwerks. Zu seinem 400-jährigen Jubiläum 2029 veröffent- licht das Musikkollegium Winterthur eine Auswahl besonders interessanter Werke aus diesen Beständen.
Wolfgang Amadeus Mozart, Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, KV 622
Gegen Ende der 1780er beginnt Wolfgang Amadeus Mozart sich näher mit der Klarinettenfamilie auseinanderzusetzen. Dabei fasziniert ihn insbesondere das tiefe Bassetthorn und er skizziert die ersten Takte eines Solokonzerts in G-Dur. Dieses unvollständige Manuskript befindet sich heute in Winterthur und stellt die Musikwelt vor ein grosses Rätsel: Ist es ein Vorläufer des 1791 entstandenen Klarinettenkonzerts KV 622?
Tatsächlich hat die Skizze in Winterthur eine grosse Ähnlichkeit mit dem Beginn des Konzerts für Klarinette. Zudem zeigen die letzten Takte des Manuskripts, wie Mozart das Soloinstrument wechselt – statt dem Bassetthorn soll nun die neu erfundene und von Anton Stadler virtuos beherrschte Bassettklarinette solieren. Diese hat im Vergleich zur normalen Klarinette in A einen grösseren Tonumfang und eine weichere Klangfarbe. Wahrscheinlich weil sich die Bassettklarinette in den Jahren nach Mozarts Tod zwar nicht durchsetzen kann, aber das einzige Klarinettenkonzert des Komponisten beliebt bleibt, erscheint das Werk 1801 in einer Fassung für Klarinette in A. Erst im 20. Jahrhundert fallen die teils seltsamen Sprünge und Wiederholungen auf, die aus der damaligen Bearbeitung für Klarinette in A resultieren und der Wunsch nach einer Rekonstruktion wächst. Auch die Bassettklarinette wird auf Basis historischer Vorlagen nachgebaut. Eine Aufführung von Mozarts wiederhergestelltem Konzert auf dem ursprünglich vorgesehenen Instrument bringt die vielfältigen Texturen der Solostimme wieder mehr zur Geltung und lässt das Werk in neuem Klanggewand erscheinen.
Richard Strauss, Sonatine Nr. 2 Es-Dur für 16 Blasinstrumente «Fröhliche Werkstatt»
Als Richard Strauss 1943 die zweite Bläser-Sonatine zu schreiben beginnt, ahnt er noch nicht, dass sie bald weitaus grössere Dimensionen annehmen wird als geplant. Zunächst schmiedet er in seiner Kompositionswerkstatt einen einzelnen Satz, bestehend aus einer Introduktion und einem Allegro. Kurz nach der Fertigstellung entschliesst er sich, die Sonatine, um ein weiteres Allegro zu ergänzen, im Sommer 1945 fügt er ein Intermezzo und ein Menuett hinzu. Bei der Uraufführung 1946 in Winterthur wird der zuerst komponierte Satz zum Finale, während das Allegro con brio die nun 40-minütige Sonatine eröffnet. Das Werk widmet er seinem Schweizer Freund und Mäzen Werner Reinhart.
Nachdem Strauss die Zerstörung seiner Wirkungsstätten in München und Dresden erlebt hatte, erklärt er sein «Lebenswerk» mit der Oper «Capriccio» (1942) für beendet. Doch der Komponist, der zeitlebens grosse Freude an seiner täglichen Arbeit empfunden hat, hört nicht auf zu schreiben. «Damit der Kopf nicht allzu verblödet wird», entwirft Strauss «Werkstattarbeiten», worin er sich dem Stil seiner Jugendkompositionen entsinnt. Es soll schöne und leicht empfundene Musik werden, spielerisch, heiter, naiv – und ein Gedenken an die «Manen Mozarts». In seiner zweiten Sonatine für Blasinstrumente übernimmt Strauss die Besetzung der «Gran Partita» seines Vorbilds und fügt zwei Flöten und eine Klarinette hinzu. Eines der beiden von Mozart geliebten Bassetthörner ersetzt er durch die Bassklarinette. Auch wenn Strauss die späten Instrumentalwerke als blosse «Handgelenksübungen» betrachtet, zählen sie heute zu den schönsten seiner Kompositionen.
Max Reger, Sonate für Klarinette und Klavier Nr. 3 B-Dur, op. 107
In einem offenen Brief stellt sich Max Reger 1907 seinen Lesern wie folgt vor: Wer wissen möchte, wer der Verfasser sei und was er wolle, der solle sich mit dessen Werken befassen. Eine seltsame Art der Eigeninszenierung – zumal sich Reger auch als Lehrer des Leipziger Konservatoriums ausweisen könnte. Vielleicht aber ist es genau richtig für einen Komponisten, dessen Frühwerk grosse Kontroversen ausgelöst hatte. Erst in Leipzig gelingt es ihm als ein führender Repräsentant des deutschen Musiklebens wahrgenommen zu werden. Während dieser Hochphase seiner Karriere stellt er 1909 die dritte Sonate für Klarinette und Klavier fertig.
Obwohl Reger an Henri Hinrichsen schreibt, das Werk werde «gar nicht lang, damit der Klangcharakter des Blasinstruments nicht ermüdet», entstehen knapp 35 Minuten Musik. Wie in seinen anderen Sonaten bleibt Reger dem von Brahms geprägten Formschema treu. Der Kern seiner Komposition liegt dabei in der Harmonik: Hier lotet er die Grenzen der Tonalität aus, ohne sich völlig von ihr zu lösen. Ganz im Gegensatz zu früheren Kritiken, die Regers Musik als schwer verständlich rezipierten und ihr einen Mangel an wiedererkennbaren Anhaltspunkten vorwarfen, ist die dritte Klarinettensonate erfrischend melodiös und weist viele motivische Bezüge zwischen den Sätzen auf. Bis heute gilt diese Sonate als ein Höhepunkt von Regers kompositorischem Schaffen.
Igor Strawinsky, Drei Stücke für Klarinette solo
Jedes der drei Stücke für Klarinette solo präsentiert das Instrument von einer anderen Seite: Zunächst singt es eine lyrische Melodie in tiefer Lage, bevor es im zweiten Stück einen grösseren Tonumfang auslotet und danach mit einem tänzerisch-heiteren Finale abschliesst. Für die ersten beiden Stücke empfiehlt Strawinsky die Klarinette in A, für das dritte jene in B – doch während er die endgültige Wahl des Instruments dem Musiker überlässt, weist er darauf hin, dass all seine Atemzeichen, Akzente und Metronomzahlen streng befolgt werden müssen. Im zweiten Stück zeigt sich warum: Strawinsky verzichtet auf Taktstriche und einzig seine Angaben zu Tempo und Agogik geben Hinweise auf die Phrasierung.
Als Strawinsky das Werk 1918 in Morges komponiert, schreibt er nicht zufällig für die Klarinette. Die drei Stücke sollen ein Dankeschön an den Winterthurer Mäzen und Amateurklarinettisten Werner Reinhart werden. Dieser hatte zuvor die ersten Aufführungen der L’histoire du soldat finanziell unterstützt und Strawinsky geholfen, nach seiner Flucht vor der kommunistischen Revolution in Russland in der Schweiz Fuss zu fassen. Allerdings brachte nicht der Widmungsträger Reinhart, sondern der Klarinettenvirtuose Edmond Allegra die technisch anspruchsvollen Solostücke 1919 in Lausanne zur Uraufführung.
Anna Maria Hausmann
Sérgio Pires
Sérgio Pires gilt als einer der herausragendsten Klarinettisten seiner Generation. Seit 2016 ist er Soloklarinettist beim Musikkollegium Winterthur und von 2023 bis 2026 in gleicher Position beim renommierten London Symphony Orchestra (LSO) tätig. Als Solist trat er u.a. mit dem LSO, der Philharmonie Bremen, den Berliner Symphonikern, dem Sinfonieorchester Basel und dem Musikkollegium Winterthur auf – in Sälen wie der Berliner Philharmonie und der Tonhalle Zürich. Sein Repertoire reicht von Mozart und Weber bis Nielsen und Penderecki. Pires ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe, darunter der Cluj International Clarinet Competition (1. Preis, 2017). Als Kammermusiker musizierte er mit Künstlern wie Heinz Holliger und Emmanuel Pahud. Er unterrichtet an der Hochschule für Musik Basel in der Klasse von François Benda und gibt weltweit Meisterkurse. Pires studierte in Portugal und Basel, wo er mit Auszeichnung abschloss. Er ist Selmer- und Silverstein-Künstler.
Dominic Chamot
Dominic Chamot hat sich mit Auftritten auf der ganzen Welt eine internationale Karriere aufgebaut. Er trat mit führenden europäischen Orchestern wie dem WDR- und dem ORF-Sinfonieorchester auf und arbeitete dabei mit Dirigenten wie Jukka-Pekka Saraste, Cornelius Meister, David Marlow und anderen. Auch als Kammermusiker ist Chamot sehr gefragt und spielte bereits mit Künstler:innen wie Kian Soltani, Sirena Huang und vielen anderen. Er ist regelmässiger Gast bei Festivals wie Gstaad, Davos, dem Schwetzinger Mozartfest und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2026 wurde er in den Lehrkörper der Haute École de Musique de Lausanne aufgenommen und damit im Alter von 30 Jahren zum jüngsten Klavierprofessor der Schweiz.
Musikkollegium Winterthur
Das Musikkollegium Winterthur wurde 1629 gegründet und ist somit eine der traditionsreichsten musikalischen Institutionen Europas. Winterthur ragt aus der europäischen Kulturlandschaft heraus. Dies nicht nur dank seiner Kunstsammlungen, sondern auch dank seines Orchesters – dem Musikkollegium Winterthur –, das seit 2021/22 unter der Leitung des Chefdirigenten Roberto González-Monjas steht. Die bis ins Jahr 1629 zurückreichende Geschichte des Musikkollegium Winterthur hat lebendige Spuren hinterlassen: Das Engagement der bürgerlichen Familien aus dem 17. Jahrhundert wird heute von den zahlreichen Vereinsmitgliedern weitergeführt. Prägend ist insbesondere das frühe 20. Jahrhundert geworden. Der Mäzen Werner Reinhart und der Dirigent Hermann Scherchen machten Winterthur zu einem Zentrum des europäischen Musiklebens. Igor Strawinsky, Richard Strauss und Anton Webern verkehrten hier, auch Clara Haskil oder Wilhelm Furtwängler.
Ein verpflichtendes Erbe: Kein anderes klassisches Sinfonieorchester der Schweiz widmet sich dem zeitgenössischen Musikschaffen so selbstverständlich wie das Musikkollegium Winterthur. Dazu kommen Uraufführungen, in jüngster Zeit von Richard Dubugnon, Helena Winkelman, David Philip Hefti, Matthias Pintscher, Hannah Kendall und Arash Safaian. Die weiteren Repertoire-Schwerpunkte liegen in der frühen Romantik und der Klassik: In den vergangenen drei Saisons erschienen Aufnahmen rund um die letzten drei Sinfonien Mozarts, die jeweils ein zeitgenössisches Spiegelwerk erhielten.
Auch grosse romantische Sinfonik findet sich in der reichhaltigen Diskographie des Orchesters – so erschien etwa eine Gesamtaufnahme von Brahms’ Sinfonien. In Opern- und Ballettproduktionen ist es ebenfalls regelmässig zu erleben. Mit über 40 Saisonkonzerten, seinem vielseitigen Musikvermittlungs-Angebot sowie spartenübergreifenden Formaten tritt das Orchester hervor. Zur hohen Qualität des Klangkörpers beigetragen haben viele: ehemalige Chefdirigenten wie Franz Welser-Möst, Heinrich Schiff oder Thomas Zehetmair, langjährige Gastdirigenten wie Heinz Holliger, Reinhard Goebel und Michael Sanderling, aber auch international gefragte Solist:innen, die stets gerne zum Musikkollegium Winterthur zurückkehren. Andreas Ottensamer, Barbara Hannigan, Joyce DiDonato, Nemanja Radulović, um nur einige zu nennen, sind wiederholt in Winterthur zu Gast.
Roberto González-Monjas
Der international gefragte Dirigent und Geiger Roberto González-Monjas hat sich mit grosser künstlerischer Vision, charismatischer Ausstrahlung und musikalischer Vielseitigkeit rasch auf der Weltbühne etabliert. Seit 2021 ist er Chefdirigent des Musikkollegium Winterthur, seit 2023 Musikdirektor des Orquesta Sinfónica de Galicia, seit 2024 Chefdirigent des Mozarteumorchesters Salzburg sowie Künstlerischer Leiter der Iberacademy in Kolumbien.
Nach seinem erfolgreichen Debüt beim Orchestre de Paris im Frühjahr 2025 wurde er ab der Saison 2027/28 zu dessen Erstem Gastdirigenten ernannt. Zuvor war er Erster Gastdirigent des Belgischen Nationalorchesters und Chefdirigent der Dalasinfoniettan in Schweden. Zu den Höhepunkten der Saison 2025/26 zählen Mozarts Zauberflöte bei der Mozartwoche Salzburg, Così fan tutte an der Oper Zürich, die Uraufführung des Cellokonzerts von Edmund Finnis mit Sheku Kanneh-Mason und dem Los Angeles Philharmonic sowie Tourneen mit dem Orquesta Sinfónica de Galicia und dem Mozarteumorchester. Gastengagements führen ihn u. a. zum Oslo Philharmonic, Hong Kong Philharmonic, Orchestre National du Capitole de Toulouse und Netherlands Chamber Orchestra.
Roberto González-Monjas arbeitet regelmässig mit führenden Künstler:innen wie Joyce DiDonato, Hilary Hahn, Lisa Batiashvili, Juan Diego Flórez, Sir András Schiff, Jan Lisiecki und Steven Isserlis zusammen und engagiert sich intensiv für zeitgenössische Musik, mit Uraufführungen von Werken u. a. von Andrea Tarrodi, Anders Hillborg und Thierry Escaich. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Nachwuchsförderung: Gemeinsam mit Alejandro Posada gründete er die Iberacademy, die in mehreren lateinamerikanischen Ländern jungen Musiker:innen neue Chancen eröffnet. Darüber hinaus ist er Professor für Violine an der Guildhall School of Music & Drama in London. Seine Diskografie umfasst gefeierte Aufnahmen mit dem Mozarteumorchester Salzburg und dem Musikkollegium Winterthur; 2026 erschien bei Berlin Classics sein Album mit Mozarts vollständigen Violinkonzerten. Roberto González-Monjas begann seine Laufbahn als Solist, Kammermusiker und Konzertmeister.
(2026) Mozart, R. Strauss, Reger, Stravinsky - CD 3415/46
Aus dem Archiv des Musikkollegium Winterthur
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte der Winterthurer Mäzen Werner Reinhart das Musikkollegium und die Stadt Winterthur zu einem Zentrum der musikalischen Moderne. Sein Nachlass bildet einen wichtigen Teil des umfangreichen Archivs. Zahlreiche Partituren tragen persönliche Widmungen und sind historische Zeugnisse eines einzigartigen künstlerischen Netzwerks. Zu seinem 400-jährigen Jubiläum 2029 veröffent- licht das Musikkollegium Winterthur eine Auswahl besonders interessanter Werke aus diesen Beständen.
Wolfgang Amadeus Mozart, Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, KV 622
Gegen Ende der 1780er beginnt Wolfgang Amadeus Mozart sich näher mit der Klarinettenfamilie auseinanderzusetzen. Dabei fasziniert ihn insbesondere das tiefe Bassetthorn und er skizziert die ersten Takte eines Solokonzerts in G-Dur. Dieses unvollständige Manuskript befindet sich heute in Winterthur und stellt die Musikwelt vor ein grosses Rätsel: Ist es ein Vorläufer des 1791 entstandenen Klarinettenkonzerts KV 622?
Tatsächlich hat die Skizze in Winterthur eine grosse Ähnlichkeit mit dem Beginn des Konzerts für Klarinette. Zudem zeigen die letzten Takte des Manuskripts, wie Mozart das Soloinstrument wechselt – statt dem Bassetthorn soll nun die neu erfundene und von Anton Stadler virtuos beherrschte Bassettklarinette solieren. Diese hat im Vergleich zur normalen Klarinette in A einen grösseren Tonumfang und eine weichere Klangfarbe. Wahrscheinlich weil sich die Bassettklarinette in den Jahren nach Mozarts Tod zwar nicht durchsetzen kann, aber das einzige Klarinettenkonzert des Komponisten beliebt bleibt, erscheint das Werk 1801 in einer Fassung für Klarinette in A. Erst im 20. Jahrhundert fallen die teils seltsamen Sprünge und Wiederholungen auf, die aus der damaligen Bearbeitung für Klarinette in A resultieren und der Wunsch nach einer Rekonstruktion wächst. Auch die Bassettklarinette wird auf Basis historischer Vorlagen nachgebaut. Eine Aufführung von Mozarts wiederhergestelltem Konzert auf dem ursprünglich vorgesehenen Instrument bringt die vielfältigen Texturen der Solostimme wieder mehr zur Geltung und lässt das Werk in neuem Klanggewand erscheinen.
Richard Strauss, Sonatine Nr. 2 Es-Dur für 16 Blasinstrumente «Fröhliche Werkstatt»
Als Richard Strauss 1943 die zweite Bläser-Sonatine zu schreiben beginnt, ahnt er noch nicht, dass sie bald weitaus grössere Dimensionen annehmen wird als geplant. Zunächst schmiedet er in seiner Kompositionswerkstatt einen einzelnen Satz, bestehend aus einer Introduktion und einem Allegro. Kurz nach der Fertigstellung entschliesst er sich, die Sonatine, um ein weiteres Allegro zu ergänzen, im Sommer 1945 fügt er ein Intermezzo und ein Menuett hinzu. Bei der Uraufführung 1946 in Winterthur wird der zuerst komponierte Satz zum Finale, während das Allegro con brio die nun 40-minütige Sonatine eröffnet. Das Werk widmet er seinem Schweizer Freund und Mäzen Werner Reinhart.
Nachdem Strauss die Zerstörung seiner Wirkungsstätten in München und Dresden erlebt hatte, erklärt er sein «Lebenswerk» mit der Oper «Capriccio» (1942) für beendet. Doch der Komponist, der zeitlebens grosse Freude an seiner täglichen Arbeit empfunden hat, hört nicht auf zu schreiben. «Damit der Kopf nicht allzu verblödet wird», entwirft Strauss «Werkstattarbeiten», worin er sich dem Stil seiner Jugendkompositionen entsinnt. Es soll schöne und leicht empfundene Musik werden, spielerisch, heiter, naiv – und ein Gedenken an die «Manen Mozarts». In seiner zweiten Sonatine für Blasinstrumente übernimmt Strauss die Besetzung der «Gran Partita» seines Vorbilds und fügt zwei Flöten und eine Klarinette hinzu. Eines der beiden von Mozart geliebten Bassetthörner ersetzt er durch die Bassklarinette. Auch wenn Strauss die späten Instrumentalwerke als blosse «Handgelenksübungen» betrachtet, zählen sie heute zu den schönsten seiner Kompositionen.
Max Reger, Sonate für Klarinette und Klavier Nr. 3 B-Dur, op. 107
In einem offenen Brief stellt sich Max Reger 1907 seinen Lesern wie folgt vor: Wer wissen möchte, wer der Verfasser sei und was er wolle, der solle sich mit dessen Werken befassen. Eine seltsame Art der Eigeninszenierung – zumal sich Reger auch als Lehrer des Leipziger Konservatoriums ausweisen könnte. Vielleicht aber ist es genau richtig für einen Komponisten, dessen Frühwerk grosse Kontroversen ausgelöst hatte. Erst in Leipzig gelingt es ihm als ein führender Repräsentant des deutschen Musiklebens wahrgenommen zu werden. Während dieser Hochphase seiner Karriere stellt er 1909 die dritte Sonate für Klarinette und Klavier fertig.
Obwohl Reger an Henri Hinrichsen schreibt, das Werk werde «gar nicht lang, damit der Klangcharakter des Blasinstruments nicht ermüdet», entstehen knapp 35 Minuten Musik. Wie in seinen anderen Sonaten bleibt Reger dem von Brahms geprägten Formschema treu. Der Kern seiner Komposition liegt dabei in der Harmonik: Hier lotet er die Grenzen der Tonalität aus, ohne sich völlig von ihr zu lösen. Ganz im Gegensatz zu früheren Kritiken, die Regers Musik als schwer verständlich rezipierten und ihr einen Mangel an wiedererkennbaren Anhaltspunkten vorwarfen, ist die dritte Klarinettensonate erfrischend melodiös und weist viele motivische Bezüge zwischen den Sätzen auf. Bis heute gilt diese Sonate als ein Höhepunkt von Regers kompositorischem Schaffen.
Igor Strawinsky, Drei Stücke für Klarinette solo
Jedes der drei Stücke für Klarinette solo präsentiert das Instrument von einer anderen Seite: Zunächst singt es eine lyrische Melodie in tiefer Lage, bevor es im zweiten Stück einen grösseren Tonumfang auslotet und danach mit einem tänzerisch-heiteren Finale abschliesst. Für die ersten beiden Stücke empfiehlt Strawinsky die Klarinette in A, für das dritte jene in B – doch während er die endgültige Wahl des Instruments dem Musiker überlässt, weist er darauf hin, dass all seine Atemzeichen, Akzente und Metronomzahlen streng befolgt werden müssen. Im zweiten Stück zeigt sich warum: Strawinsky verzichtet auf Taktstriche und einzig seine Angaben zu Tempo und Agogik geben Hinweise auf die Phrasierung.
Als Strawinsky das Werk 1918 in Morges komponiert, schreibt er nicht zufällig für die Klarinette. Die drei Stücke sollen ein Dankeschön an den Winterthurer Mäzen und Amateurklarinettisten Werner Reinhart werden. Dieser hatte zuvor die ersten Aufführungen der L’histoire du soldat finanziell unterstützt und Strawinsky geholfen, nach seiner Flucht vor der kommunistischen Revolution in Russland in der Schweiz Fuss zu fassen. Allerdings brachte nicht der Widmungsträger Reinhart, sondern der Klarinettenvirtuose Edmond Allegra die technisch anspruchsvollen Solostücke 1919 in Lausanne zur Uraufführung.
Anna Maria Hausmann
Sérgio Pires
Sérgio Pires gilt als einer der herausragendsten Klarinettisten seiner Generation. Seit 2016 ist er Soloklarinettist beim Musikkollegium Winterthur und von 2023 bis 2026 in gleicher Position beim renommierten London Symphony Orchestra (LSO) tätig. Als Solist trat er u.a. mit dem LSO, der Philharmonie Bremen, den Berliner Symphonikern, dem Sinfonieorchester Basel und dem Musikkollegium Winterthur auf – in Sälen wie der Berliner Philharmonie und der Tonhalle Zürich. Sein Repertoire reicht von Mozart und Weber bis Nielsen und Penderecki. Pires ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe, darunter der Cluj International Clarinet Competition (1. Preis, 2017). Als Kammermusiker musizierte er mit Künstlern wie Heinz Holliger und Emmanuel Pahud. Er unterrichtet an der Hochschule für Musik Basel in der Klasse von François Benda und gibt weltweit Meisterkurse. Pires studierte in Portugal und Basel, wo er mit Auszeichnung abschloss. Er ist Selmer- und Silverstein-Künstler.
Dominic Chamot
Dominic Chamot hat sich mit Auftritten auf der ganzen Welt eine internationale Karriere aufgebaut. Er trat mit führenden europäischen Orchestern wie dem WDR- und dem ORF-Sinfonieorchester auf und arbeitete dabei mit Dirigenten wie Jukka-Pekka Saraste, Cornelius Meister, David Marlow und anderen. Auch als Kammermusiker ist Chamot sehr gefragt und spielte bereits mit Künstler:innen wie Kian Soltani, Sirena Huang und vielen anderen. Er ist regelmässiger Gast bei Festivals wie Gstaad, Davos, dem Schwetzinger Mozartfest und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2026 wurde er in den Lehrkörper der Haute École de Musique de Lausanne aufgenommen und damit im Alter von 30 Jahren zum jüngsten Klavierprofessor der Schweiz.
Musikkollegium Winterthur
Das Musikkollegium Winterthur wurde 1629 gegründet und ist somit eine der traditionsreichsten musikalischen Institutionen Europas. Winterthur ragt aus der europäischen Kulturlandschaft heraus. Dies nicht nur dank seiner Kunstsammlungen, sondern auch dank seines Orchesters – dem Musikkollegium Winterthur –, das seit 2021/22 unter der Leitung des Chefdirigenten Roberto González-Monjas steht. Die bis ins Jahr 1629 zurückreichende Geschichte des Musikkollegium Winterthur hat lebendige Spuren hinterlassen: Das Engagement der bürgerlichen Familien aus dem 17. Jahrhundert wird heute von den zahlreichen Vereinsmitgliedern weitergeführt. Prägend ist insbesondere das frühe 20. Jahrhundert geworden. Der Mäzen Werner Reinhart und der Dirigent Hermann Scherchen machten Winterthur zu einem Zentrum des europäischen Musiklebens. Igor Strawinsky, Richard Strauss und Anton Webern verkehrten hier, auch Clara Haskil oder Wilhelm Furtwängler.
Ein verpflichtendes Erbe: Kein anderes klassisches Sinfonieorchester der Schweiz widmet sich dem zeitgenössischen Musikschaffen so selbstverständlich wie das Musikkollegium Winterthur. Dazu kommen Uraufführungen, in jüngster Zeit von Richard Dubugnon, Helena Winkelman, David Philip Hefti, Matthias Pintscher, Hannah Kendall und Arash Safaian. Die weiteren Repertoire-Schwerpunkte liegen in der frühen Romantik und der Klassik: In den vergangenen drei Saisons erschienen Aufnahmen rund um die letzten drei Sinfonien Mozarts, die jeweils ein zeitgenössisches Spiegelwerk erhielten.
Auch grosse romantische Sinfonik findet sich in der reichhaltigen Diskographie des Orchesters – so erschien etwa eine Gesamtaufnahme von Brahms’ Sinfonien. In Opern- und Ballettproduktionen ist es ebenfalls regelmässig zu erleben. Mit über 40 Saisonkonzerten, seinem vielseitigen Musikvermittlungs-Angebot sowie spartenübergreifenden Formaten tritt das Orchester hervor. Zur hohen Qualität des Klangkörpers beigetragen haben viele: ehemalige Chefdirigenten wie Franz Welser-Möst, Heinrich Schiff oder Thomas Zehetmair, langjährige Gastdirigenten wie Heinz Holliger, Reinhard Goebel und Michael Sanderling, aber auch international gefragte Solist:innen, die stets gerne zum Musikkollegium Winterthur zurückkehren. Andreas Ottensamer, Barbara Hannigan, Joyce DiDonato, Nemanja Radulović, um nur einige zu nennen, sind wiederholt in Winterthur zu Gast.
Roberto González-Monjas
Der international gefragte Dirigent und Geiger Roberto González-Monjas hat sich mit grosser künstlerischer Vision, charismatischer Ausstrahlung und musikalischer Vielseitigkeit rasch auf der Weltbühne etabliert. Seit 2021 ist er Chefdirigent des Musikkollegium Winterthur, seit 2023 Musikdirektor des Orquesta Sinfónica de Galicia, seit 2024 Chefdirigent des Mozarteumorchesters Salzburg sowie Künstlerischer Leiter der Iberacademy in Kolumbien.
Nach seinem erfolgreichen Debüt beim Orchestre de Paris im Frühjahr 2025 wurde er ab der Saison 2027/28 zu dessen Erstem Gastdirigenten ernannt. Zuvor war er Erster Gastdirigent des Belgischen Nationalorchesters und Chefdirigent der Dalasinfoniettan in Schweden. Zu den Höhepunkten der Saison 2025/26 zählen Mozarts Zauberflöte bei der Mozartwoche Salzburg, Così fan tutte an der Oper Zürich, die Uraufführung des Cellokonzerts von Edmund Finnis mit Sheku Kanneh-Mason und dem Los Angeles Philharmonic sowie Tourneen mit dem Orquesta Sinfónica de Galicia und dem Mozarteumorchester. Gastengagements führen ihn u. a. zum Oslo Philharmonic, Hong Kong Philharmonic, Orchestre National du Capitole de Toulouse und Netherlands Chamber Orchestra.
Roberto González-Monjas arbeitet regelmässig mit führenden Künstler:innen wie Joyce DiDonato, Hilary Hahn, Lisa Batiashvili, Juan Diego Flórez, Sir András Schiff, Jan Lisiecki und Steven Isserlis zusammen und engagiert sich intensiv für zeitgenössische Musik, mit Uraufführungen von Werken u. a. von Andrea Tarrodi, Anders Hillborg und Thierry Escaich. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Nachwuchsförderung: Gemeinsam mit Alejandro Posada gründete er die Iberacademy, die in mehreren lateinamerikanischen Ländern jungen Musiker:innen neue Chancen eröffnet. Darüber hinaus ist er Professor für Violine an der Guildhall School of Music & Drama in London. Seine Diskografie umfasst gefeierte Aufnahmen mit dem Mozarteumorchester Salzburg und dem Musikkollegium Winterthur; 2026 erschien bei Berlin Classics sein Album mit Mozarts vollständigen Violinkonzerten. Roberto González-Monjas begann seine Laufbahn als Solist, Kammermusiker und Konzertmeister.
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Bald
Concerto
Dominic Chamot
High-resolution audio - Studio master quality
Igor Stravinsky (1882-1971)
Kammermusik
Klarinette
Klavier
Max Reger (1873-1916)
Moderne
Musikkollegium Winterthur
Orchester
Raritäten
Repertoire
Richard Strauss (1864-1949)
Roberto González-Monjas - conductor
Sérgio Pires
Various composers
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
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Bald
Concerto
Dominic Chamot
High-resolution audio - Studio master quality
Igor Stravinsky (1882-1971)
Kammermusik
Klarinette
Klavier
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Moderne
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Raritäten
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Richard Strauss (1864-1949)
Roberto González-Monjas - conductor
Sérgio Pires
Various composers
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
